Die Volksrepublik China, im Chinesischen 中国 Zhōngguó (Reich der Mitte) genannt, ist ein Land der Superlative. Mit ca. 1,4 Milliarden Einwohnern war es lange das bevölkerungsreichste Land der Erde, wurde mittlerweile von Indien überholt. Mit etwa 9,6 Millionen km² gehört das Land auch zu den vier größten Ländern der Erde. Zudem besitzt China die längste Landgrenze und grenzt an insgesamt 14 Staaten. Allein Russland verfügt über die gleiche Anzahl an Nachbarländern.
Neben Fujian gliedert sich die Volksrepublik in 21 weitere Provinzen (ohne Taiwan), die teilweise die Größe eines europäischen Staates erreichen – außerdem in fünf autonome Gebiete, vier regierungsunmittelbare Städte, die den Status von Provinzen haben, und zwei Sonderverwaltungszonen, die eine besondere Eigenständigkeit besitzen. Die Stadt Chongqing im Südwesten des Landes gilt als die größte Stadt der Welt mit einer Fläche von über 82.000 km², was in etwa der Fläche von Österreich entspricht, und 32 Millionen Einwohnern im Jahr 2020.
Die älteste Kultur der Erde
Die chinesische Kultur ist die älteste noch existierende Hochkultur der Welt und zirka 5000 Jahre alt. Dementsprechend reich ist sie an Einflüssen und Ausprägungen. Das zeigt sich schon in den gesprochenen Sprachen im Land: Die allgemeine Amtssprache ist Mandarin, das sogenannte Hochchinesisch. Daneben werden aber auch zahlreiche vom Hochchinesischen stark abweichende Dialekte wie Kantonesisch und auch andere Sprachen wie Uigurisch, Mongolisch und Koreanisch, um nur einige zu nennen, benutzt.
Genauso bunt wie diese Sprachenvielfalt setzt sich auch die Bevölkerung zusammen. Über 56 Volksgruppen, darunter nationale Minderheiten wie die Uiguren und Kasachen, bevölkern die Volksrepublik. Die größte Bevölkerungsgruppe stellen dabei mit über 90% die Han-Chinesen dar. Aber auch sie sind kein einheitliches Volk im strengen Sinne, sondern haben ihren Ursprung in einer Vielzahl von Völkern, die im Laufe der Zeit eine einheitliche Kultur angenommen haben.
Insgesamt findet sich daher in China eine große Bandbreite unterschiedlicher Kulturen, Bräuche und Traditionen, was sich auch in den vorherrschenden Religionen widerspiegelt: Unter ihnen werden vor allem Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus und Shenismus, ein althergebrachter Volksglaube, mit dem Reich der Mitte in Verbindung gebracht. Aber auch Christentum, Islam und Judentum haben hier ihren Platz gefunden.
Wirtschaftliche Stärke
Viele Menschen hierzulande wundern sich über Chinas rasanten wirtschaftlichen Aufstieg zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Erde nach den USA.
Dabei ist das im historischen Rückblick nichts Neues. Bis in die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts war China die größte Wirtschaftsmacht der Erde - allerdings nahm Europa lange Zeit davon keine Notiz. Bereits als Marco Polo (1254-1324) von seinen ausgedehnten Handelsreisen nach Italien zurückkehrte, mochte man ihm seine Berichte über dieses ferne, reiche, Europa bei weitem überflügelnde China schier nicht glauben und verspottete ihn als "Messer Milione", als Phantasten.
Erst als Europa im Zuge der Industrialisierung aufholte und mit der Kolonialisierung buchstäblich zu neuen Ufern aufbrach, änderte sich dies. Zur "Kanonenbootpolitik" der Kolonialmächte gehörten beispielsweise auch die sogenannten Opiumkriege: In China war der Opiumhandel verboten, doch Großbritannien baute in seiner Kolonie Indien große Mengen Opium an und wollte den Handel in China mit Gewalt durchsetzen. Daher erklärte Großbritannien China den Krieg, dem China militärisch nichts entgegensetzen konnte. In der Folge musste China den Opiumhandel zulassen; es wird geschätzt, dass Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 40 Millionen Chinesen opiumsüchtig waren. Das war nicht die einzige Forderung von Großbritannien und anderen europäischen Mächten, der China sich damals beugen musste. Das Eindringen der Europäer seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatte den politischen und wirtschaftlichen Niedergang des Landes zur Folge.
Mit der Machtübernahme der Kommunisten unter Mao Zedong und der Ausrufung der Volksrepublik China im Jahre 1949 war die Hoffnung verbunden, das Land nach 100 Jahren Unruhe und Schwäche endlich wieder zu stabilisieren und Wohlstand für alle zu schaffen. Doch dies gelang nicht, statt dessen folgten weitere Jahrzehnte, die geprägt waren von Hungersnöten, Problemen mit dem Aufbau der Industrie und vielem anderen. Im Westen bekannt wurde vor allem die Kulturrevolution, die von 1967 bis zum Tod Maos 1976 andauerte und das Land noch weiter zurück warf.
Erst 1978 schwenkte das wirtschaftlich angeschlagene China um. Das Reich der Mitte öffnete sich dem Ausland und stellte auf eine marktwirtschaftlich orientierte Politik um. Ausgehend von diesen Wirtschaftsreformen erlebt das Land seither ein weitgehend ununterbrochenes Wirtschaftswachstum. Zunächst profitierten vor allem die Regionen am Meer und den Seehandelsrouten – weshalb besonders die Großstädte entlang der chinesischen Ostküste zu Metropolen mit Industrie- und Handelsunternehmen und modernen Infrastrukturen wurden. Doch im Lauf der Zeit erreichte das Wachstum auch den Westen des Landes.
Heute ist China in einigen Branchen bereits Technologieführer, der Alltag der Menschen stark von modernen Technologien geprägt, und die chinesischen Großstädte bieten atemberaubende Skylines und ein reiches Kultur- und Wirtschaftsleben. Angesichts dessen mag sich so mancher Europäer - fast wieder wie im 13. Jahrhundert - in größtes Erstaunen versetzt sehen. Doch anders als zu Marco Polos Zeiten kann heute jeder selbst nach China reisen und sich ein eigenes Bild machen, und wird sich höchstens wundern, ein ganz anderes Land zu erleben, als er oder sie es aufgrund hiesiger Medienberichte erwartet hätte.